ICH ARBEITE AN MEINER KARRIERE

Plötzlich habe ich realisiert, dass es dem Kunstmarkt egal ist, dass ich ihn bisher ignoriert und gar verachtet hatte. Fast 40, immer noch jung und aufstrebend? Ein Karriereplan muss her, als erstes: Galeristenphobie überwinden. Alles über den aktuellen Kunstmarkt lesen. Titel meiner neuen Arbeit: „Ich arbeite an meiner Karriere.“ Acryl auf Leinwand, 70x100cm, davon jede Menge: Künstlerplakate, Ausstellungsankündigungen für meine eigenen Ausstellungen, beginnend ab sofort. Orte, an denen ich richtig gerne ausstellen würde. Einigermassen realistisch beginnend mit der Stadtgalerie Kiel und Kunsthalle Bern (dort war ich zumindest in Gruppenausstellungen schon vertreten), dann geht es weiter mit Museum of Contemporary Art Tokyo, Tate Modern London, Museum Ludwig Köln, Guggenheim New York, Louisiana Copenhagen, Biennale Venedig, Kunstmuseum Basel, Fondation Beyeler, Serpentine Gallery London, Gagosian Gallery NY, Stedelijk Museum Amsterdam, Hamburger Bahnhof und Galerie Neugerriemschneider Berlin, MAXXI Rom, Kunstverein Frankfurt, Kunsthalle Hamburg, Guggenheim Abu Dhabi. Grösstenteils Einzelausstellungen, aber auch einige Gruppenausstellungen mit spannenden und wohlbekannten und geschätzten Künstlern wie etwa Tracey Emin, Erwin Wurm, Damien Hirst, Maurizio Cattelan, Olafur Eliasson, Andrea Fraser, Tino Seghal und Ai Weiwei. Vermessen? Eher hoffnungslos optimistisch und freudvoll. Das Medium Malerei ist noch immer die bestverkäuflichste Kunstform, dabei zeigt es im Fall meiner Künstlerplakate einen gewissen Manko: es ist ein Unikat und damit per se nicht verbreitet. Durch die Sichtbarwerdung des Pinselstriches wird der Betrachter auf den Urheber und dessen Wunschdenken aufmerksam. Immerhin: mein Name taucht in jedem Bild auf, so wird man sich ihn zumindest merken. Die Titel der Ausstellungen werden eine wesentliche Rolle spielen, eine Geschichte erzählen. Auf „Küss mich, Muse!“ folgt „Nimm mich, Wunder!“ „Oxytocin“ (das Bindungshormon) in meiner Heimatstadt, „Dopamin“ (das Hormin des aufregenden Neuen) in Tokyo, Guggenheim NY „No Fiction“, Titel der Ausstellung 2022 in der Tate Modern: „Come. True. Now.“